Nachruf auf Oliver Baglieri

Am vergangenen Samstag verstarb mit nur 56 Jahren Oliver Baglieri. Ob es die Edition Outbird ohne ihn geben würde, ist ungewiss, da er 2008 und 2010 die ersten Bücher unseres Verlegers Tristan Rosenkranz veröffentlichte und damit Weichen stellte, aus denen neben wichtigen neuen Kontakten auch eine wesentliche Motivation entsprang. Jahre nach Einstellen seiner Verlagsarbeit nahm unser Verlag seine Arbeit auf, Heimat von etlichen AutorInnen auch, deren früheren Bücher in Baglieris Edition PaperONE erschienen. Nachfolgend veröffentlichen wir den Nachruf Karsten Kriesels auf ihn:

„…hätte es ohne Olli nicht gegeben“

Verleger, Fotograf und Impulsgeber Oliver Baglieri im Alter von 56 Jahren verstorben

„Eine böse Ironie des Schicksals“, nennt es Freund und Autor Michael Schweßinger: Ausgerechnet Pfingsten, während sich Leipzig traditionell in Schwarz hüllt und das Morbide feiert, verlässt einer der ehemaligen Dreh- und Angelpunkte der Leipziger schwarzen Szene diese Welt. Mit Oliver Baglieri verliert vor allem die dunkle Kultur- und Literaturszene weit über Leipzig hinaus einen ihrer wichtigen Impulsgeber und Vernetzer. Schaut man in die Kondolenz als Reaktion auf Baglieris für viele überraschenden Tod im Netz, wird deutlich, wie breit sich sein Einfluss und die motivatorische Kraft über die Jahre gestreut hat: „Ohne Olli wäre ich nie zum Schreiben gekommen / hätte ich nie diese oder jenen kennengelernt, die meinen Weg weiter bestimmt haben“, sind häufige Aussagen. Sie kommen vom Who is Who der freien Literatur- und Lesebühnenszene sowie aus der Gothicwelt rund um Musik und Fotografie. Allein die bekannte Lesebühne Schkeuditzer Kreuz wäre ohne Baglieri in dieser Form wohl nicht entstanden.

In Monheim am Rhein geboren und zunehmend als Fotograf, Texter und Werbefachmann in der Szene vernetzt, war es schließlich sein Szeneladen „Your PaperZone“ am Connewitzer Kreuz, den der Wahlleipziger Anfang der 2000er zu einem Forum für Junge Autoren und Künstler etablierte. Teilweise machten sich Menschen aus anderen Städten auf den Weg, um zu schauen, was oder wen es Neues im Laden zu entdecken gibt.

An seine Stelle trat nach ein paar Jahren sein Independent-Verlag Edition PaperOne, der stets auf Buchmesse und WGT gleichermaßen anzutreffen war. Legendär eine seiner ersten Veröffentlichungen, das eigene Werk „Als die Grufties Buttons trugen.“ Trotz des Schwerpunkts auf gesellschaftskritische Themen und Szeneliteratur aus dem Gothic- und Punkbereich ist die Liste der hier verlegten Künstler lang und weit über reine Szenekreise hinaus namensstark.

„Viele fanden hier einen Ort, um ihr dunkles Anderssein zu leben und ihre Gedanken mit anderen zu teilen. Heute würde man das wohl als Safe Space bezeichnen.“, beschreibt Schweßinger die Bedeutung von Baglieris Laden und Verlag.

Dazu gesellten sich seine intensiven Fotografien rund um die schwarze Szene für so ziemlich jedes europäische Szenemagazin.

Doch Kunst und Kultur haben es im „geregelten“ Berufsverständnis schwer, Leidenschaft scheitert oft an Ökonomie. Immer wieder stieß Baglieri an bürokratische Grenzen des Arbeitsamtes, weswegen vor zehn Jahren schließlich auch Edition PaperOne ein Ende beschieden wart. Nach später Umschulung behielt er sich in den letzten Jahren die Fotografie als Leidenschaft und verband sie weltenbummelnd mit seiner neuen Tätigkeit als Reisekaufmann, bis die Pandemie auch hier eine Grenze zog.

Von einer seit einer Weile in ihm wütenden, nicht öffentlich benannten Krankheit, sollte lange keiner wissen. Nach außen gab er sich stets gut gelaunt, Fotos, auf denen Baglieri nicht lächelt, findet man nicht. Oliver Baglieri starb am Samstagabend im Alter von 56 Jahren in einem Leipziger Krankenhaus.“
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Wir trauern um Peter Peukert

Am 4. 2. 2022 verstarb plötzlich und völlig unerwartet und mit nur 49 Lebensjahren unser Freund, Mitherausgeber und Verleger Peter Peukert. Die Nachricht von Peters Tod war und ist für uns ein großer Schock.

Peter Peukert war unter anderem als Neustädter Buchhändler, Veranstalter und Vorsitzender des Bismarckturmvereins sehr aktiv, aber auch als Mitglied des Thüringer Lesezeichen e. V. und seiner Jury des „Raniser Debüts“ hochengagiert und über die Stadtgrenzen weit hinaus sehr beliebt. Peters Tod trifft uns zutiefst und hinterlässt eine große Lücke.

Mit seiner überaus umfassenden Kenntnis von Literatur, AutorInnen sowie dem Verlagswesen unserer Zeit war er seit 2020 in Neustadt an der Orla sehr aktiv, um für die Stadt wieder einen Buchhandel aufzubauen und zu betreiben. Sein Geschäft „Buchhandlung Neue Liebe“ hatte sich, nach einer Unterbrechung im November 2021 neu eröffnet, schnell zu einer sehr beliebten Adresse entwickelt. Sein Angebot ließ seine Liebe zum geschriebenen Wort wie zur Schönheit ausgewählter „Nonbooks“ gleichermaßen erkennen, er selbst nannte sich gern „Ladenhüter der Liebe“.

Ab dem Frühjahr 2021 engagierte sich Peter Peukert zunehmend und im hohen Maß in unserem Verlag; sein wacher Blick, seine Kenntnis guter Stoffe und Sprachwahl, seine Genauigkeit bei Lektorat und Buchsatz, seine Mitgestaltung und Unterstützung von Buchmessepräsentationen, Veranstaltungen und Versand und damit sein beständiger Wille, sich die Verlagsarbeit umfassend zu erschließen, machten ihn für uns schnell zu einem unverzichtbaren Begleiter, Berater und Fels in der Brandung.

Peter war ein geistig sehr wacher Mensch voller Humor, Kulturliebe und Lebensfreude, den wir immer als kerngesund wahrgenommen haben. Umso unbegreiflicher ist sein Verlust für uns.

Wir sprechen seiner Familie und seiner Lebensgefährtin unser tiefempfundenes Beileid aus.
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Edition Outbird wird Fördermitglied im Phantastik-Autoren-Netzwerk PAN

Mit Freude bedanken wir uns für die unlängst eingegangene Bestätigung, Fördermitglied des Phantastik-Autoren-Netzwerkes (PAN) e.V. sein zu können. Mit diesem Schritt bietet sich fortan auch den AutorInnen unseres kontinuierlich wachsenden Fantastikgenres die Möglichkeit, die vom PAN e. V. forcierte Vernetzung der deutschsprachigen Literaturszene mitzugestalten und mehr Sichtbarkeit zu erlangen. Zitat:

„Die Phantastik ist unsere literarische Disziplin. Unsere Autoren stehen für handwerkliche Qualität und hohe Professionalität, aber auch für die Liebe zur literarischen Phantastik und die Bereitschaft, sich für ihre Interessen zu engagieren.

Gegenwärtig verändert sich der Buchmarkt – nicht nur das Medium e-book gewinnt zunehmend an Bedeutung – auch Lesegewohnheiten und Produktionsbedingungen unterliegen einem steten Wandel. Vor diesem Hintergrund finden wir es wichtig, als Autoren mit demselben Schwerpunkt auch eine gemeinsame Stimme zu haben, uns zu diesen Veränderungen zu äußern. Deshalb arbeiten wir für eine engere Vernetzung der deutschsprachigen Literaturszene, die sich diesem besonderen erzählerischen Genre widmet. Uns geht es dabei um deutschsprachige Phantastik aus der DACH-Region. Unser Ziel ist die Steigerung der Wertschätzung und des Ansehens, das die Phantastik in der Öffentlichkeit erfährt – und deren Niederschlag in entsprechenden Beiträgen in Zeitung, Rundfunk, Fernsehen und im Internet.“

Wir sagen herzlich Dankeschön!
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Soziales Engagement in der Edition Outbird

Wir sind mehr denn je der Auffassung, dass man in aller Bescheidenheit sichtbar machen sollte, in welcher Form sich AutorInnen, KünstlerInnen, Kulturschaffende wie auch unser Verlag für die Gemeinschaft einsetzen. In diesem Sinne dürfen wir auf unseren neuen Menüpunkt „Soziales Engagement“ (links in der Menüleiste) verweisen, einer Übersicht über dieses vielfältige soziale Engagement.
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Unsere Herbstnovitäten 2020

Wir dürfen an dieser Stelle einen Überblick über unsere spannenden Herbstnovitäten geben, die Ihnen sicher – nicht nur – bei der ein oder anderen Überlegung zu Weihnachtsgeschenken hilfreich sein dürften. Der Einfachheit halber gestalten wir den Überblick gewohnt stichpunktartig:

M. Kruppe „Geschichten vom Kaff der guten Offnung“: „Im Kaff der guten Hoffnung treffen sich die Abgehängten der Gesellschaft in Tante-Emma-Läden, Jugendclubs oder im Runden Eck: Der rote Ronny, der im Suff von seiner Frau in Thailand schwafelt. Lea, ein junges Mädchen mit ADHS PLUS 1000. Freddy, der Angst vor Frauen hat. Die olle Renate, die von einer glühenden Kommunistin zur Prostituierten wurde und heute Kadarka aus dem TetraPak trinkt. Karl, ein erfolgloser Maler, der seine Bilder Schicht für Schicht an die Wohnzimmerwand pinselt. …“

Arne Ulbricht „Schilksee 1990“: „Der Erfolgsschriftsteller Fabian Herzog fragt sich nach wüsten Auseinandersetzungen mit seiner siebzehnjährigen Tochter immer häufiger, wie er selbst als Siebzehnjähriger war. Als er die Gelegenheit erhält, den Oktober 1990 ein zweites Mal zu erleben, zögert er nicht lange. Plötzlich ist er wieder siebzehn, streitet über die Wiedervereinigung, trinkt Flens und prügelt sich mit Skinheads. Wichtiger als alles andere ist Fabian allerdings, nach einer überstürzten Trennung seine erste große Liebe Juli zurückzugewinnen. …“

Klaus Märkert & Myk Jung „Tot bist du noch lange nicht, sag mir erst wie alt du bist.“: „Geneigte Leser, verehrte Leserinnen, es erwartet Sie ein Erzählband unbeschreiblicher Originalität und Witzigkeit. Zugleich handelt es sich bei den hier vorliegenden Texten um literarisch erhabene, in ihrer Wort- und Satzfülle Gebirgsketten hoch über allem Standard befindliche Geschichten, Traktate und Moritaten. Auch ein gerüttelt und geschüttelt Maß an Verzweiflung und Grusel wohnt in den Erzählungen. …“

Lisa Swietek (Hrsg.) „Geschichten aus einer anderen Welt“: „Einige Insassen der Sicherungsverwahrung der JVA Werl haben als Teilnehmer des Literaturkreises unter Leitung Lisa Swieteks eine Sammlung bestehend aus Prosa, Lyrik und Reflexionen erstellt. Das Schreiben von eigenen Texten kann dazu beitragen, dem Alltag hinter Gittern einen Sinn zu geben und vielleicht sogar, das angestrebte Vollzugsziel – ein straffreies Leben in sozialer Verantwortung zu führen – zu erreichen. Zudem schult es die Empathie durch das Einfühlen in die Figuren der jeweiligen Geschichten. …“

Und wer von Ihnen einen Gesamtüberblick unseres Angebots haben möchte, folge bitte diesem Link. Wir freuen uns auf Sie. Bis bald mit neuem Lesevergnügen und herzliche Grüße, Ihre Edition Outbird.
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Wir trauern um Corina Gutmann

Gestern Morgen ist nach langer Krankheit Corina Gutmann ein letztes Mal eingeschlafen. Corina Gutmann war Leiterin der Greizer Stadtbibliothek, Literaturveranstalterin, engagierte sich maßgeblich und seit Langem in der Resozialisierungsarbeit der JVA Hohenleuben und gab Anfang 2019 in der „Edition Outbird“ die Häftlingsanthologie „Kopfkino“ heraus. Corina war ein stets positiver Mensch, sehr engagiert, voller Ideen und Leidenschaft. Und uns und unseren Literaturfreunden und Partnern vom Lese-Zeichen e. V. zu einer engen Freundin geworden. Corina hinterlässt eine große Lücke. Ihr Verlust schmerzt uns sehr, unsere Gedanken sind bei ihrer Familie. Was bleibt, ist die Hoffnung, dass ihr so wichtiges Engagement fortgeführt werden wird.
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Stay home? Gute Unterhaltung!

In der derzeitigen Quarantäne-Zeit eröffnet sich mit dem Zeitgewinn ein anderer Zugang zu Literatur und deren (positiven) Auswirkungen auf unser Wohlbefinden. Grund genug, die Aktivitäten einiger unserer AutorInnen abseits ihrer überaus lesenswerten Bücher vorzustellen:

Schon eine Weile her, ist Dirk Bernemanns & Fabio La Delias Podcast „Untendurch“ mit Studiogast Benjamin Schmidt sehr hörenswert, spricht er nicht zuletzt über seinen Suizidversuch vor Jahren, aus dem eine inkomplette Querschnittslähmung samt „Nullung“ und neuem Lebensmut resultierte, über Depressionen und den Blick hinter menschliche Fassaden, aber auch über seine künstlerischen Umtriebe in Musik und Literatur. Der Mitschnitt geht eineinhalb Stunden und ist in Gänze hörenswert.

Eine klare Leseempfehlung sprechen wir für Michael Schweßingers Kolumne „Abzeitz vom Westen“ aus: Wer von Michael Schweßingers Büchern nicht genug bekommt und seinen Erzählstil zwischen lakonisch und bissig, schräghumorig und philosophisch liebt, der ist mit besagter Kolumne bestens versorgt, in der er über seinen neuen Lebensmittelpunkt in der Kleinstadt Zeitz berichtet. Hier gehts zu Teil 1, Teil 2 und Teil 3 entlang.

Nicht unerwähnt lassen wollen wir außerdem M. Kruppes brandneuen „Steady“-Account. Wer die Arbeit unseres umtriebigen Verlagsfreundes, Autoren und Veranstalters M. Kruppe unterstützen und an ebenseinem Schaffen mit einer feinen Auswahl exklusiver Literaturkultur teilhaben möchte, findet auf seinem unlängst viral gegangenen Profil bei „Steady“ diverse Pakete zur Auswahl.

Bildnachweis: M. Kruppe
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Wir trauern um Andreas Hähle

Mit dem gestrigen Tag ist Andreas Hähle ein letztes Mal eingeschlafen. Er hat den Kampf gegen den Krebs verloren. Uns fehlen an dieser Stelle die Worte ob dieses großen Verlustes. Andreas Hähle war ein außerordentlich warmherziger und ideenreicher Mensch, Visionär, Schriftsteller und Künstler, der Ende 2018 seinen Roman „Wahnsignale“ in der „Edition Outbird“ veröffentlichte.. Wir trauern mit seiner Frau Lika Hähle und seiner Familie. Möge er in Frieden ruhen.
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2018: Wir sagen Dankeschön

Mit einer Impression unseres letzten diesjährigen Arbeitstages von der Schlossweihnacht Heidecksburg dürfen wir an dieser Stelle unseren Dank ausdrücken. Ein Jahr 2018 kommt zur Ruhe, welches uns unglaublich viele Eindrücke, Begegnungen, neue Freundschaften, Ideen und Möglichkeiten, aber auch viele wundervolle literarische Veranstaltungen und Bücher brachte. Zu jedem Schritt, jeder neuen Buchperle und jeder Veranstaltung, die für glänzende Augen sorgte, gehörten und gehören neben dem entgegengebrachten Vertrauen kraftvolle und ideenreiche Zusammenarbeiten und Partnerschaften. Um nicht in die Verlegenheit zu kommen, Namen zu vergessen, bedanken wir uns an dieser Stelle ohne Namensnennung bei all unseren Freunden*, Autoren, Künstlern, Kooperationspartnern, Sponsoren und Förderern, Lesern und Genießern, nicht zuletzt aber auch Veranstaltungshäusern, Galerien, Händlern, Marktveranstaltern sowie unseren beiden Partnerinitiativen Lesezeichen e. V. und Corvus e. V..

Es gab und gibt immer wieder Momente, in denen wir dem Erreichten selbst nicht glauben konnten, wie es immer wieder auch Momente der kritischen Auseinandersetzung mit liegengebliebenen Potenzialen gab und gibt. Jede Idee, jedes Gespräch und jeder kleine Rückblick ließ und lässt uns wachsen. Wir gehen sehr reich an neuen Eindrücken in ein ruhiges Jahresende hinein und wünschen all unseren Familien, Freunden, Kollegen, Partnern und Unterstützern ein weihnachtliches Familienfest der Besinnung, Tage der Wärme, ein Silvester unter guten Freunden sowie ein ereignisreiches und literarisches Herzblutjahr 2019.

Mit herzlichen Grüßen,
Ihr(e) Agentur & Verlag Outbird
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Bildnachweis: Alexander Stemplewitz
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*Gemeint sind immer alle Geschlechter.
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Edition Outbird erreicht erstmals Top 100 unter den Amazon-Rankings

Amazon mag umstritten sein, aber bei aller thematischer Betroffenheit freuen wir uns sehr, dass heute mit „Darjeeling Pur“ von Tami Weissenberg erstmals ein Buch unseres kleinen Verlages die Top 100, in diesem Fall der Biografischen Romane, bei Amazon durchbrochen hat. Der letzte Stand war Platz 68 (mit späterem Anstieg auf Platz 18). Unsere Freude ist umso größer, dass dadurch nicht nur der hochwichtige Gewaltschutz für beide Geschlechter, sondern auch unsere anderen AutorInnen und Bücher mehr Aufmerksamkeit erfahren werden.
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