Peter Wawerzinek & Florian Günther in der Geraer Theaterfabrik: ein Rückblick

Der Ingeborg Bachmann-Preisträger, Schriftsteller und Performance-Künstler Peter Wawerzinek war uns seit seiner Lesung auf der Literatur- und Kunstburg Ranis 2016 kein unbekannter mehr, dem folgte das Interview in Augabe #5 unseres Magazins für alternative (Genuss)Kultur „Outscapes“ und sein Entschluss, sein kommendes Buch „Geisterfahrt durch Südschweden“ bei der „Edition Outbird“ (Frühjahr 2019) erscheinen zu lassen. Florian Günther hingegen war uns eher als Herausgeber der „Lesbaren Zeitschrift für Literatur – Drecksack“ bekannt. Wir wussten, Günther schreibt Gedichte und einige kannten wir. Dass er aber nicht nur ehrliche Worte auf Papier bringt, ungeschönte Worte, authentische Worte, Worte, die präzise die Realität sezieren, sondern diese auch genauso vorträgt, war uns nicht bekannt.

Mit dem gestrigen Abend des Corvus e. V. in der Geraer Theaterfabrik konnten die Gäste einen der authentischsten Literarischen Salons des Corvus e. V. erleben – voller Witz, Lebenstiefe, Deutlichkeit, in dem Peter Wawerzinek und Florian Günther ein Duett zwischen verstiegenen Romanpassagen und Lyrik „der Straße“, zwischen Humor, Theatralik, Drama und Lebenstiefe abgaben.

Kaum begonnen, hatten Florian Günther und Peter Wawerzinek das Publikum in ihren Bann gezogen und ließen es erst wieder los, als sie den letzten Punkt des jeweils letzten Textes betonten. Knapp zwei Stunden vergingen wie im Flug und man musste sich fragen: „Wo ist die Zeit hin?“
Während Peter Wawerzinek Abschnitte aus „Geisterfahrt durch Südschweden“ und „Trottellumme“ (erscheint ebenfalls 2019 – bei Galiani) in einem faszinierenden Spiel mit Emotionen und dem gefesselten Publikum widergab, führte Florian Günther seine Zuhörerschaft mit lyrischen Stücken aus seinen Büchern immer wieder in abgewohnte Hotels, Gossen und hin zu Charakteren der Straße. Auch blieben die beiden zwischen ihren Lesungen wiederholt in Gesprächen hängen, die Einblicke in Florian Günthers Leben als weltreisender Fotograf und in Peter Wawerzineks „entweder – oder“, Schreiben oder Lieben(können), gaben.

Das Duo Wawerzinek / Günther hingegen ließ nicht einen einzigen Moment des Abschweifens oder der Unaufmerksamkeit zu. Ungeschönte, wahrhaftige Texte, präsentiert von zwei Sympathen, die nichts anderes wollen als zu erzählen, den Menschen etwas von sich mitzugeben, von dem was sie sind, was sie erleben, was sie interpretieren ohne dabei den Anspruch zu haben, verkrampft und auf Teufel komm raus auch noch dem letzen Lesemuffel dazu zu bewegen, eines ihrer Bücher zu kaufen. Zwei Typen, denen es offensichtlich egal ist, wer kauft, wer liest und dabei doch mit Adleraugen darauf achten, dass Literatur Literatur ist und bleibt.

Den Gästen gefiel die Lesung sehr; auch wir als Mitveranstalter konnten nicht zuletzt dem anschließenden Gesprächsabend im privaten Rahmen viele schöne Momente und angeregte Diskussionen entnehmen. Unser Dank gilt neben den Sponsoren und Unterstützern, der Kulturstiftung Thüringen, Theater & Philharmonie Thüringen sowie Thalia Buchhandlung Gera, Peter und Nanna Przetak, Peter Wawerzinek und Florian Günther, den beiden Technikern wie auch den Gästen des Abends.

Bildnachweis: Ralf Schönfelder und M. Kruppe
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