Lesung & Gesprächsrunde zu „Kopfkino“ in der Theaterfabrik: ein Rückblick

Mit dem gestrigen Abend blicken wir im Rahmen der Literarischen Salons unseres Partners Corvus e. V. in der Geraer Theaterfabrik auf eine Veranstaltung zurück, die zu einer der hinsichtlich sozialer, inklusiver Themen wichtigsten und am besten besuchten zählt. Zahlreiche Gäste hatten Gelegenheit, der von unserer Autorin Mona Krassu moderierten Lesung und folgenden Gesprächsrunde zur Gefängnisanthologie „Kopfkino“ zuzuhören und Fragen einzubringen.

Als Gäste waren die Herausgeberin und Greizer Bibliothekschefin Corina Gutmann, der Präsident des Geraer Landgerichts Peter Granderath, der Leiter der Justizvollzugsanstalt Hohenleuben Jürgen Frank, die Sozialarbeiterin eben dieser Einrichtung Anke Hartmann sowie einige Gefangene mit Ausgangslockerung anwesend. Die Themen bildeten in ihrem Spannungsbogen ebenso vielfältig wie wichtig die Gäste aus einerseits Gerichtsbarkeit und Vollzug, andererseits Haft ab: Wie empfindet ein Strafrichter, wenn manche Straffälligen wiederholte Male vor ihm sitzen? Wie fühlt sich Haft für den Straftäter an? Wie wird man zum Mitläufer? Welches (falsche) Image hat Haft bei der Bevölkerung und was kann man dagegen tun? Wie sehen die Haftbedingungen beispielsweise in Hohenleuben aus und welche Formen der Freizeit-, Sozial- und Projektarbeit können wie angeboten bzw. umgesetzt werden? Welche Arbeit leisten Menschen wie Corina Gutmann ehrenamtlich, um mittels Kultur Häftlingen wieder eine Hoffnung zu vermitteln? Wie können aus unseren Vorurteilen oftmals ganz andere „Nachurteile“ werden? Wie fühlt sich das an, ehrenamtlich mit zwanzig Häftlingen zu arbeiten? Und nicht zuletzt: Wie arbeiten AkteurInnen wie Corina Gutmann, die auch diese Veranstaltung unterstützende Landeszentrale für Politische Bildung Thüringen, deren Ansprechpartner Wieland Koch ebenfalls anwesend war, der Lese-Zeichen e. V., gestern abend vertreten durch Martin Straub, sowie Haftleitung und Gerichtsbarkeiten zusammen?Es wurde im Gesprächsverlauf, an dem sich auch Wieland Koch und Martin Straub beteiligten, rasch klar, wie oft Haftentlassene noch ohne Hilfe dastehen, wie oft RichterInnen und SozialarbeiterInnen privatinitiativ Vereine gründen, um Hilfeleistungen zur Resozialisierung anzubieten, wie umfangreich die Projektarbeit beispielsweise von Corina Gutmann in enger Kooperation mit der Anstaltsleitung und der Sozialarbeiterin Anke Hartmann viele Jahre war und noch immer ist, und was Häftlinge davon auch in ihr – hoffentlich besseres und stabileres – Leben mitnehmen können.

Weder dem Corvus e. V. noch unserem Verlag „Edition Outbird“ war bis gestern abend klar, wie wichtig und leider noch viel zu selten Veranstaltungen wie diese sind und was damit geleistet werden kann, um die Bevölkerung einzubeziehen und sie mittels dieser Gästeauswahl diesem umfassenden Themenkomplex und den dahinterstehenden Schicksalen und Menschen in Berührung zu bringen und Vorurteile abzubauen. Wir freuen uns ob dieses Erfolgs und nicht zuletzt auch der zahlreichen verkauften Bücher und sagen an dieser Stelle stellvertretend Dankeschön zum Einen gegenüber den Gästen der Podiumsdiskussion, zum Anderen der Landeszentrale für Politische Bildung Thüringen sowie der Kulturstiftung Thüringen!
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